Inhaltsangabe

 

Vorwort

Über den Autor


1. Teil (theoretische Vorüberlegungen)

1.1 Der erste Kontakt

1.2 Vorbereitungen für eine Arbeitsgemeinschaft Tanz

1.3 Squaredance als Lehr- und Erziehungsauftrag

1.4 Schulrechtliches


2. Teil (Tipps für die Praxis)

2.1 Pädagogische und psychologische Hinweise

2.2 Organisation einer Unterrichtseinheit

2.3 Besondere „Highlights” im Schuljahr

2.4 Tanzen im Squaredance - Outfit

2.5 Methodische Hilfsmittel

2.6 Besonders geeignete Squaredance - Figuren

2.7 Reizvolle Squaredance - Varianten

Schlusswort

3. Teil (Anhang mit Anlagen)

Anlage 1: Punktsymmetrie beim Squaredance (ggf. für den Unterricht)

Anlage 2: Schreiben an die Schulleitung

Anlage 3: Verschwiegenheitspflicht

Anlage 4: Dokumentation

Anlage 5: Mein Squaredancekurs

Anlage 6: Urkunde

Anlage 7: Checkliste „Auf dem Weg zur Tanz - Ag”




Vorwort

 

Nichts ist so beständig wie der Wandel, und selbstverständlich hat sich auch die Gemeinschaft der Squaredancer in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Der Anteil jüngerer Tänzer ist heute viel geringer als früher, daher ist es überlegenswert, Squaredance schon in Grundschulen anzubieten um dort die Tänzer von morgen zu rekrutieren. Möglicherweise zeigen auch Eltern Interesse an dieser Tanzform, das ist sogar wahrscheinlich. Solche Gedanken sind aus Sicht der Squaredanceclubs natürlich verständlich, doch mit einer solchen Argumentation wird man wohl kaum Chancen für eine Squaredance - Ag in der Schule haben.

 

Da Schulen ja einen gesetzmäßig verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag haben, werden die Schulleitungen immer prüfen müssen, ob ein externer Anbieter zu diesem Auftrag passt. Auch Eignung und Kompetenz der Anbieter müssen seitens der Schulleitung im Rahmen der Gesamtverantwortung geprüft werden. Ferner möchten die Lehrkräfte wie auch die Eltern wissen, welche Vorteile ein Squaredancekurs in der Schule für die Kinder haben könnte.

 

Dieser Leitfaden möchte nun im ersten Teil die Startbedingungen für Squaredance in der Schule begünstigen, und für Clubvorstände und Caller die nötigen Informationen zur Verfügung stellen. Da die Arbeit mit Schulkindern an einem Nachmittag ganz anders organisiert werden muss als ein Clubabend mit erwachsenen Tänzern, gibt es im zweiten Teil eine Reihe pädagogischer und methodischer Tipps und Hinweise. Einige davon kann man allerdings auch an einem Clubabend ausprobieren.

 

Über den Autor

Mein Name ist Joachim Kroll, ich bin verheiratet und wohne mit meiner Frau Petra seit 1982 in Konradsreuth (Nordbayern). Das Licht der Welt erblickte ich 1952 in Berlin - Kreuzberg und hatte schon in Berlin die erste Begegnung mit Squaredance. 1976 verzog ich nach Bayern und begann 1985 mit meiner Petra so richtig mit Squaredance. 1987 versuchte ich mich als Caller und seit 1990 bin ich Clubcaller der „Weaving Twins” in Konradsreuth.
Von Beruf bin ich Grund- und Hauptschullehrer, und neben meinen Lieblingsfächern Mathematik und Sport leitete ich von 1985 bis 2016 fast jährlich eine Squaredance - Ag, meistens mit Grundschulkindern aus den Klassen 3 und 4. Nun bin ich im so genannten „Ruhestand” und möchte meine Erfahrungen aus der Schule an interessierte Squaredancer weitergeben. Die Hinweise aus dem ersten Teil gelten natürlich nicht nur für die Tanzform Squaredance, sondern größtenteils auch für Linedance, Rounddance, Clogging und andere Tanzformen. Der zweite Teil ist vorwiegend für den Bereich Squaredance, doch auch aus diesem Teil lassen sich eine ganze Reihe von Tipps und Hinweisen auch auf die anderen Tanzsparten übertragen. Ursprünglich sollte dieser Leitfaden viel kürzer werden, doch während der Arbeit fielen mir immer wieder wichtige Hinweise ein, die ich nicht weglassen wollte. Aus Rücksicht auf die vielen Brillenträger entschied ich mich auch für eine recht große Schrift, das war dann für meine Augen ebenfalls angenehmer. Eine letzte Vorbemerkung sei mir noch gestattet: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit beschränkte ich mich jeweils nur auf die männliche Form, also beispielsweise . . . denn der Schulleiter muss . . . und nicht . . . denn der Schulleiter / die Schulleiterin muss . . .

Konradsreuth im Januar 2017


1. Teil (theoretische Vorüberlegungen)

1.1 Der erste Kontakt

Auf dem Lande und in kleineren Orten, wo also fast jeder jeden kennt, da kennt man auch die ortsansässigen Vereine und Einrichtungen. Doch auch hier kommt - genau wie in den großen Städten - nur selten eine Anfrage von einer Grundschule an einen Squaredance - Club. Der Impuls für irgendeine Tanzaktion wird im Allgemeinen vom Verein ausgehen. Ein Blick auf die Homepage einer Schule ist da sehr hilfreich, denn die meisten Schulen veröffentlichen hier ihre Termine und ihre besonderen Vorhaben, zum Beispiel:

  • Tag der Vereine

  • Tag des Sports

  • Bewegungstag

  • Woche der Gesundheit

  • Woche der Nachhaltigkeit

  • Schuljubiläum

  • . . .

An solchen Tagen kann ein Squaredance - Club eine Aktivität anbieten: Eine Demo oder auch eine „Schnupperstunde”. Zwar ist die Schulleitung der richtige Ansprechpartner, aber man kann das Ganze auch über den Elternbeirat oder über einzelne Lehrer laufen lassen. Übrigens: Es gibt einen jährlichen „Welttag des Tanzes” und zwar immer am 29. April.

Auch im Rahmen des regulären Unterrichts kann eine „Schnuppereinheit” angeboten werden, dabei eignen sich insbesondere Sport- und Musikstunden. Hier ist es am einfachsten, wenn man den entsprechenden Lehrer persönlich anspricht.

In manchen Clubs gibt es auch jüngere, schulpflichtige Tänzer. Diese Schüler sind vielleicht daran interessiert einmal ein Referat (eine Unterrichtsstunde) zu halten, natürlich über ihr Tanzhobby (Squaredance, Rounddance, . . . ). Bei den genannten Beispielen ist es sicherlich von Vorteil, wenn der Clubcaller dabei ist, zwingend notwendig ist das natürlich nicht.

1.2 Vorbereitungen für eine Arbeitsgemeinschaft Tanz

Nach den gelungenen Schnupperstunden und Vorführungen finden sich möglicherweise genügend interessierte Kinder, die gerne weitermachen möchten. Auch Eltern sind in den meisten Fällen bereit, ihre Kinder tanzen zu lassen, allerdings haben sie oft noch eine Reihe von Fragen:

1.  Wo findet der Tanzkurs statt?

2.  Wann findet das Ganze statt?

3.  Wie viele Wochen (Monate) dauert diese Veranstaltung?

4.  Welche Kosten kommen auf die Eltern (die Schule) zu?

5.  Wer ist der verantwortliche Leiter?

6.  Ist unser Kind unfallversichert?

7.  . . .

Da die Rahmenbedingungen an den verschiedenen Schulen natürlich ganz unterschiedlich sind, kann es keine allgemeingültigen Antworten auf diese Fragen geben, aber gute Chancen für eine „Arbeitsgemeinschaft Tanz” (Kurzform: „Tanz - Ag”) ergeben sich, wenn Folgendes bei der Planung beachtet wird:

zu 1) Wo findet der Tanzkurs statt?

Für die Schüler ist es natürlich besonders günstig, wenn der Kurs in der Schule stattfinden kann. Ist die Teilnehmerzahl sehr groß, dann wäre die Turnhalle ein geeigneter Ort, sofern sie nicht belegt ist. Manche Schulen haben vielleicht einen größeren Musikraum oder eine Pausenhalle. Kleinere Gruppen können auch in einem Klassenzimmer unterrichtet werden.


TIPP:

Das Aufsichtsproblem muss vorher unbedingt angesprochen und geklärt werden! Auch die Schulordnung und die schulinternen Regeln sollte sich der Kursleiter erläutern lassen. (Näheres dazu siehe unter 1.4 Schulrechtliches) Findet die Tanz - Ag in einem Klassenzimmer statt, dann müssen die Stühle und Tische vorsichtig verschoben und wieder aufgeräumt werden.

zu 2) Wann findet das Ganze statt?

Viele Schüler sind heutzutage auch am Nachmittag in der Schule, entweder in einer „Gebundenen Ganztagsschule” oder in einer „Offenen Ganztagsschule”. Im ersten Fall (gebunden) organisiert die Schule den Nachmittag, im zweiten Fall (offen) ein außerschulischer Träger oder auch ein Verein. Zwar kann man ein Bewegungsangebot wie Tanz auch direkt nach der Unterrichtszeit anbieten, doch da gibt es oft ein Mittagessen. Kurz nach dem Essen ist eine günstige Zeit, aber da kann es wieder mit den Hausaufgaben kollidieren. Manchmal gibt es auch kurz vor Unterrichtsende eine Möglichkeit, natürlich muss der Tanzlehrer auch Zeit haben.

TIPP:

Je flexibler ein zukünftiger Kursleiter mit seinen Terminen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Tanzkurs anbieten zu können. Die Schulleitungen haben in der Regel ein großes Interesse an solchen Angeboten..

 

zu 3) Wie viele Wochen (Monate) dauert diese Veranstaltung?

Natürlich kann ein Verein sein Angebot für ein ganzes Schuljahr machen, Schüler und oft auch Eltern ziehen aber meist kürzere Phasen vor. Es kann also günstiger sein, zwei, drei oder auch vier Blöcke anzubieten. Beim Organisieren von Auftritten ist diese Blockbildung allerdings ungünstiger. Für Grundschüler bringt ein ganzjähriger Kurs erfahrungsgemäß mehr und ist außerdem für den Übungsleiter einfacher zu organisieren.

TIPP:

Am besten gleich mehrere Varianten mit ihren Vor- und Nachteilen vorschlagen und so weit es geht auf die Wünsche und Vorgaben der Schulleitung eingehen.

 

zu 4) Welche Kosten kommen auf die Eltern (die Schule) zu?

Aus Sicht der Schule und der Eltern ist ein kostenloses Angebot natürlich besonders günstig, aber das muss nicht sein. Wenn beispielsweise andere externe Anbieter an der Schule vorhanden sind, dann kann man sich an diesen Angeboten orientieren. Allerdings schicken diese Anbieter, meistens sind es Sportvereine oder auch Musikschulen, in der Regel pädagogisch geschultes, ausgebildetes Personal in die Schulen, die dann einen Übungsleiterschein oder etwas in der Art vorweisen können. Wenn der Anbieter einer Tanz - Ag eine fachliche Qualifikation vorweisen kann (siehe dazu Punkt 5), dann sind die Chancen für eine Vergütung natürlich größer. Je nach Lizenzstufe zahlen Sportvereine ihren Übungsleitern 4 bis 5 Euro je Übungseinheit (für Helfer ohne Lizenz und ohne Gruppenverantwortung) und bis zu 20 Euro je Übungseinheit für Trainer mit Lizenz oder für Sportlehrer. (Diese Angaben zur Vergütungen fand ich im Internet auf verschiedenen Seiten, Stand: 2016.) Wenn eine Tanz - Ag in das Schulkonzept passt, dann wird die Schulleitung auch Mittel und Wege einer Finanzierung finden.

TIPP:

Da der Leiter einer Tanz - Ag seinen Unterricht ähnlich wie ein Lehrer planen und vorbereiten muss, kann er ja zumindest einmal fragen, ob die Stunden vergütet werden können. Mitunter übernimmt dies auch der Förderverein. Mit dem Förderverein kann auch Folgendes vereinbart werden: Der Ag - Leiter erhält vom Förderverein pro Unterrichtsstunde eine Vergütung. Am Schuljahresende überweist der Ag - Leiter den gesamten Betrag wieder zurück und erhält dafür eine Spendenbescheinigung für seine Steuerklärung. Viel wichtiger ist aber die Begründung einer solchen Ag. (Näheres dazu im Kapitel „Squaredance als Bildungs- und Erziehungsauftrag”.)

zu 5) Wer ist der verantwortliche Leiter?

Die organisatorischen Angelegenheiten wird die Schulleitung im Normalfall mit den Vereinsleitern (Präsidenten) besprechen. Sollte ein Kooperationsvertrag zwischen der Schule und dem Verein angestrebt werden, dann übernimmt die Schule den größten Teil der organisatorischen Arbeiten. Als Gegenleistung stellt dann der externe Anbieter einen in der Regel kostenlosen Ag - Leiter. Die Vergütung des Callers ist dann eine clubinterne Angelegenheit. Die Modalitäten müssen den Eltern natürlich mitgeteilt werden. Bei solchen Gelegenheiten darf der Club auch sicherlich für sich selbst werben, z. B. mit Handzetteln, Plakaten und mit seiner Homepage. Die unterrichtliche Verantwortung liegt aber mit allen Konsequenzen beim Ag - Leiter. Möglicherweise bekommt der Übungsleiter vom Hausmeister auch einen Schlüssel und die Erlaubnis die Musikanlage zu benutzen. In einem solchen Fall ist es überlegenswert, entsprechende Versicherungen abzuschließen.

TIPP:

 Der Übungsleiter sollte Kontakt zum Hausmeister und dem Lehrerkollegium halten, angefangen von einer Vorstellung (ggf. auf einer Lehrerkonferenz) und weiter bis zu gelegentlichen Gesprächen mit Lehrkräften und Eltern.

 

zu 6) Ist unser Kind unfallversichert?

Alle Schülerinnen und Schüler sind grundsätzlich bei allen schulischen Veranstaltungen unfallversichert, auch auf dem Schulweg und ebenso bei einer Arbeitsgemeinschaft.


TIPP:
Sollte sich ein Kind während der Arbeitsgemeinschaft Tanz verletzen, dann ist dieser Vorfall unverzüglich der Schulleitung zu melden. Natürlich ist dann ein spezielles Formular auszufüllen, aber das kommt nur sehr selten vor.

 

 

1.3 Squaredance als Bildungs- und Erziehungsauftrag

Nun kommt ein besonders interessanter Punkt, der für Lehrkräfte wie Eltern von außerordentlicher Bedeutung ist, denn das Tanzen und insbesondere Squaredance unterstützt die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schule in vielfältiger Weise. Von einem externen Übungsleiter werden natürlich keine vertieften Kenntnisse der vielen Lehrpläne erwartet, daher sollen hier nur die allerwichtigsten Schulfächer und die entsprechenden Anknüpfungspunkte genannt werden:

 

 

1)

Englisch

2)

Musik

3)

Sport

4)

Mathematik

Hinzu kommen noch Schulart- und fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele, von denen hier nur einige, besonders gut passende aufgeführt werden. Die weiter unten aufgeführten Auszüge sind allesamt aus dem bayerischen „LehrplanPLUS”. Dieser Lehrplan gilt für alle Schularten in Bayern und kann unter der Adresse http://www.lehrplanplus.bayern.de/ eingesehen werden.

 

zu 1) Englisch

Aus dem Lehrplan: „Im Englischunterricht der Mittelschule erwerben die Schülerinnen und Schüler Sprachkenntnisse und entwickeln Fertigkeiten, die sie zu erfolgreichem kommunikativen Handeln im öffentlichen und privaten Leben befähigen und die für ihr persönliches und späteres berufliches Leben unerlässlich sind. Sie lernen, die englische Sprache als weltweites Verständigungsmittel zu schätzen, und erkennen, dass Englischkenntnisse die berufliche Qualifizierung und Mobilität begünstigen können.”

 

In diesem Fach geht es also in erster Linie darum, eine fremde Sprache zu verstehen und sich in einer fremden Sprache auszudrücken. Auch die Kenntnis kultureller Besonderheiten in fremden Ländern und die Förderung der Medienkompetenz gehören zum Englischunterricht.


So unterstützt Squaredance diese Unterrichtsziele:

Bei vielen Tänzen ist die Fachsprache „Englisch”. Schritte, Schrittfolgen, Formationen und Anweisungen werden also in englisch unterrichtet, das gilt insbesondere für Squaredance, aber auch für Linedance, Rounddance und andere Tanzformen. Nach einem Jahr beherrschen die Grundschüler einer Squaredance - Ag einen Fachwortschatz von etwa 80 bis 100 Wörtern und Redewendungen. Bei etwas älteren Schülern geht es dann aber nicht nur um das Verstehen und Ausführen von Anweisungen, sondern auch um das Geben von Anweisungen, das heißt sie kreieren einen eigenen Linedance oder übernehmen die Rolle des Callers. Bei Bedarf kann man den Schülern auch noch Texte und andere Medien zur Geschichte oder zum Brauchtum anbieten.

 

zu 2) Musik

Aus dem Lehrplan: „Im Leben von Kindern hat die Musik einen hohen Stellenwert. Die altersgerechte Auseinandersetzung mit aktuellen und historischen Erscheinungen von Musik regt die Schülerinnen und Schüler zu musikalischer Aktivität an. Ästhetisches Erleben, bewusstes Hören, reflektiertes Musikverstehen und gemeinschaftsstiftendes Gestalten tragen zur allgemeinen und zur kulturellen Bildung sowie zur Persönlichkeitsentfaltung bei.”


So unterstützt Squaredance diese Unterrichtsziele:

Beim Einüben von Tänzen (egal welcher Tanzform) spielt die Musikauswahl eine große Rolle. Da die Schüler gerade bei Auftritten bei der Musikauswahl mit entscheiden sollen, müssen sie vorher verschiedene Titel bewusst hören und ihre Wahl dann auch begründen. Auftritte sind außerdem ein ästhetisches Erlebnis und fördern den Gemeinschaftssinn. In einer Squaredance - Ag lernen die Schüler eine internationale, traditionelle Tanzform mit verschiedenen Aufstellungsformen (Square, Circle, Line, Wave, . . . ) kennen. Auch das Rhythmusgefühl wird gefördert.

 

zu 3) Sport

Aus dem Lehrplan: „Der Sportunterricht ist das einzige Bewegungsfach im schulischen Fächerkanon und daher von wesentlicher Bedeutung für die Gesundheitserziehung. Er leistet einen wertvollen Beitrag zur Hinführung an eine gesunde Lebensführung mit regelmäßiger sportlicher Betätigung, ist förderlich für die kognitive Entwicklung und regt zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung an.”


So unterstützt Squaredance diese Unterrichtsziele:

Mit einer Tanz - Ag (egal welcher Tanzform) kommt mehr Bewegung in die Schule. Beim Squaredance macht ein Tänzer beispielsweise 128 kleine Schritte pro Minute, das sind je nach Schrittlänge bis zu 60 Meter pro Minute. Geht man von einer „Laufzeit” von 35 Minuten aus (bei einer Unterrichtsstunde von 45 Minuten), so kommen die Teilnehmer immerhin auf 2,1 Kilometer. Dies ist für die Gesundheitserziehung durchaus von Bedeutung. Diesen Wert kann man zumindest für Kinder erheblich steigern. (Näheres dazu unter 2.7 Reizvolle Squaredance - Varianten) Nach neuesten neurologischen Erkenntnissen werden übrigens ganz besonders beim Tanzen im Gehirn besonders viele Synapsen gebildet. Das fördert die Leistungsfähigkeit des Gehirns und senkt nachweislich das Demenzrisiko (Quelle: Buch und Fernsehsendung von und mit Dr. Eckart von Hirschhausen). Hinzu kommt, und das sogar recht häufig, dass nicht ganz so sportliche Kinder gerade beim Tanzen ihre musisch - sportlichen Talente entdecken und dann mit Eifer mitmachen.

 

zu 4) Mathematik

Aus dem Lehrplan: „Ihr räumliches Denken stärken die Schülerinnen und Schüler im Gegenstandsbereich Raum und Form. Sie untersuchen und vergleichen wichtige geometrische Flächenformen bzw. Körper (z. B. Quadrat und Rechtecke bzw. Würfel und Quader), beschreiben deren Eigenschaften und präsentieren sie in selbst gefertigten Modellen. Die Kinder erfassen Eigenschaften von Figuren (z. B. Achsensymmetrie) und erstellen einfache Abbildungen. Auch ästhetische Gesichtspunkte werden erschlossen, etwa wenn geometrische Anordnungen oder achsensymmetrische Figuren erzeugt und diese mit Kunstwerken sowie Phänomenen der Natur oder der alltäglichen Umwelt verglichen werden.”


So unterstützt Squaredance diese Unterrichtsziele:

Insbesondere beim Squaredance sammeln die Schülerinnen und Schüler ganz intensive geometrische Erfahrungen: Sie bewegen sich zusammen mit anderen Tänzern im Kreis (1/1, ½, ¾, . . . ), laufen allein auf Kreislinien (1/1, ½, ¾, . . . ) oder auf den Seitenlinien von Quadraten. Sie verbessern so ganz nebenbei ihren Orientierungssinn und erkennen gerade beim Squaredance die Gesetzmäßigkeiten der Symmetrie, da sie sich „laufend” mit symmetrischen Mustern beschäftigen (Beisiel dazu im Anhang, Anlage 1 „Punktsymmetrie beim Squaredance”).

 

Schulart- und fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele

Aus dem Lehrplan: „Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit den Themenfeldern Ernährung, Bewegung, Hygiene, Stress / psychische Gesundheit, Sucht- und Gewaltprävention auseinander und lernen, achtsam und verantwortungsvoll mit sich selbst umzugehen.”

 

„Im Vergleich eigener Einstellungen und Haltungen mit denen anderer entwickeln sie Interesse und Offenheit, gegenseitigen Respekt sowie Toleranz gegenüber anderen Menschen mit ihren kulturspezifischen Vorstellungen und Verhaltensweisen.”

 

„Im Sinne der obersten Bildungsziele der Bayerischen Verfassung achten die Schülerinnen und Schüler die Würde anderer Menschen in einer pluralen Gesellschaft. Sie üben Selbstbeherrschung, übernehmen Verantwortung und zeigen Hilfsbereitschaft. Sie gestalten Beziehungen auf der Grundlage von Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Toleranz und Selbstbestimmtheit; sie haben Respekt vor anderen Standpunkten und sind fähig, Kompromisse zu schließen, die der Gemeinschaft nützen.”

 

1.4 Schulrechtliches

Wenn nun endlich alle Unklarheiten beseitigt sind, dann gibt es nur noch ein paar Formalitäten zu erledigen. So wird der Schulleiter höchstwahrscheinlich ein „Erweitertes Führungszeugnis” verlangen (das ist leider mit Kosten verbunden), und im Rahmen seiner Gesamtverantwortung und seiner Fürsorgepflicht den Tanzlehrer über gewisse rechtliche Dinge informieren, und dann voraussichtlich noch folgende Punkte ansprechen:

1. Eignung (fachlich, pädagogisch, . . . )

2. Hinweise zur Schulordnung

3. Hinweise zum Infektionsschutzgesetz

4. Aufsichtspflicht

5. Verschwiegenheitspflicht

6. Dokumentation / Schriftwesen

7. Verbot der kommerziellen und politischen Werbung

 

Der zukünftige Ag - Leiter muss natürlich nicht warten, bis der Schulleiter diese Punkte anspricht, er kann auch selbst die Initiative ergreifen und den einen oder anderen Punkt erfragen. Das macht mit Sicherheit einen guten Eindruck.

zu 1) Eignung (fachlich, pädagogisch, . . . )

Im Kapitel 1.2 Vorbereitungen für eine Arbeitsgemeinschaft Tanz wurde schon erwähnt, dass Übungsleiter von anderen externen Anbietern in der Regel sehr qualifiziert sind. Der Ag - Leiter Tanz sollte ebenfalls seine Qualifikation in irgendeiner Form belegen können. Wenn er schon ein „Activ Teacher” ist, dann ist das ja kein Problem. Ist er noch in der von der ECTA angebotenen Ausbildung, dann kann er dies ja auch belegen. Ist dies auch nicht der Fall, dann sollte zur Unterstützung der Präsident des Clubs ein formloses Schreiben verfassen, aus dem die Eignung des Ag - Leiters hervorgeht. (siehe Anhang, Anlage 2Schreiben an die Schulleitung”) Natürlich ist es auch von Vorteil, wenn von einer anderen Seite eine entsprechende pädagogische Eignung vorgelegt werden kann, zum Beispiel „Ausbilder der Jugendfeuerwehr”, „Betreuer einer Konfirmandengruppe” oder etwas in der Art.

 

zu 2) Hinweise zur Schulordnung

Für einen geordneten Schulbetrieb ist es sehr wichtig, dass sich alle an die vorgegebenen Regeln halten. Dazu müssen sie bekannt gemacht, vorgelebt und auch konsequent überwacht werden. Eine Schulordnung ist oftmals auf der Schulhomepage veröffentlicht und klärt im Allgemeinen folgende Punkte: Verhalten bei Alarm (Fluchtwegplan mit Sammelstellen), Hausschuhzwang, Ess- und Trinkpausen, Toilettengang, Grußverhalten, Kaugummi, Handy, sonstige Regeln, Erziehungsmaßnahmen bei Fehlverhalten, . . . Es macht auch hier wieder einen guten Eindruck, wenn der Tanzlehrer diese Punkte von sich aus anspricht.

 

zu 3) Hinweise zum Infektionsschutzgesetz

Ein Übungsleiter kann auch einmal krank werden. In diesem Fall muss die Schulleitung rechtzeitig informiert werden, insbesondere dann, wenn keine Ersatzkraft den Unterricht vertreten kann. Da manche Krankheiten ein Risiko für andere Menschen darstellen, sind sie anzeige- oder gar meldepflichtig. Die regional teilweise unterschiedlichen Regelungen zum Infektionsschutz hat jeder Schulleiter (jede Sekretärin).

zu 4) Aufsichtspflicht

Aus der Mittelschulordnung (Bayern): „Die Aufsichtspflicht der Schule erstreckt sich auf die Zeit, in der die Schülerinnen und Schüler am Unterricht oder an sonstigen Schulveranstaltungen teilnehmen, einschließlich einer angemessenen Zeit vor Beginn und nach Beendigung des Unterrichts oder der Schulveranstaltung. Als angemessene Zeit vor Beginn des Unterrichts gelten 15 Minuten, als angemessene Zeit nach Beendigung des Unterrichts gilt die Zeit bis zum Weggang der Schülerinnen und Schüler aus der Schulanlage. Der Umfang der Aufsichtspflicht richtet sich nach der geistigen und charakterlichen Reife der zu beaufsichtigenden Schülerinnen und Schüler.”

 

Das Thema „Aufsicht” kommt für einen Tanzlehrer erst dann ins Gespräch, wenn es vor dem Tanzunterricht eine längere Pause gibt. Zwar fällt die Organisation der Aufsicht in den Aufgabenbereich der Schulleitung, doch der Leiter der Tanz - Ag muss wissen, dass er mindestens 15 Minuten vor seinem Unterricht anwesend sein muss. Auch nach dem Unterricht muss er noch ein wenig warten bevor er nach Hause geht.

 

Übrigens: Eine Verletzung der Aufsichtspflicht kann in schwerwiegenden Fällen Strafverfahren und Verurteilung nach dem StGB zur Folge haben, insbesondere dann, wenn sich ein unbeaufsichtigter Schüler verletzt.

 

zu 5) Verschwiegenheitspflicht

Auch als „Nur - Tanzlehrer” sieht und erfährt man in der Schule so Einiges. Da sollte es jedem klar sein, dass viele Angelegenheiten nicht für die Augen und Ohren Anderer bestimmt sind. Eine Erklärung zur Verschwiegenheit wird sich der Schulleiter schriftlich geben lassen, das Gesetz zur Verschwiegenheitspflicht ist im Anhang abgedruckt (Anlage 3).

 

zu 6) Dokumentation / Schriftwesen

Klassenlehrer wie auch Fachlehrer führen im Allgemeinen einen Lehrnachweis oder eine ähnliche Dokumentation. Es gibt für externe Lehrkräfte gute Gründe, den gehaltenen Unterricht ebenfalls zu dokumentieren und ggf. durch weitere Aufzeichnungen zu ergänzen. Da muss zum Beispiel die Anwesenheit der Schüler überprüft werden, denn angemeldete Schüler haben auch regelmäßig zu erscheinen. Die Teilnehmerliste erhält man entweder von der Sekretärin oder von der Klassenlehrkraft. Sollten einmal Nachfragen kommen, egal von wem und aus welchem Grund, ist es immer gut, wenn man auf schriftliche Aufzeichnungen zurückgreifen kann.

Auch besondere Vorfälle sollten festgehalten werden und ggf. sofort gemeldet werden: Verletzungen, Streitfälle, Sachbeschädigungen, . . . Natürlich dürfen auch angenehme Vorfälle notiert werden, z.B.: Paul orientiert sich problemlos im Raum, Melanie lernt sehr rasch und behält alles auch, Hans läuft seine Figuren sehr rhythmisch ab, . . . Es gibt auch Schulen, die die Teilnahme an solchen Arbeitsgemeinschaften im Jahreszeugnis vermerken. Einen Vorschlag zur Dokumentation gibt es im Anhang, Anlage 4.

 

zu 7) Verbot der kommerziellen und politischen Werbung

Natürlich diskutieren Eltern, Lehrer und Schüler über politische Themen, mitunter auch im Unterricht. Das Tragen von noblen Markenturnschuhen und anderen Kleidungsstücken ist ebenfalls normal (manchmal allerdings auch problematisch). Das ist jedoch noch keine Werbung. Werbung zielt auf Verhaltensänderung ab, und deshalb ist Werbung an Schulen aus Gründen der wirtschaftlichen und politischen Neutralität untersagt.

 



2. Teil (Tipps für die Praxis)

2.1 Ein paar pädagogische und psychologische Hinweise

 

Hey, Alter, ich habe gehört, dass du in der Tanz - Ag mitmachst?” Das ist ein Ausspruch, den man wohl eher in der Grundschule hören wird und die nächste Frage, die dann kommen könnte: „Wohl so richtig mit Mädchen?” Diese beiden Sprüche sollen reichen, denn sie zeigen recht deutlich, dass einige Jungs im Grundschulalter und manchmal auch noch danach mit Mädchen (noch) nicht so richtig umgehen können, bzw. auch nicht wollen. Die Jungs, die dann trotzdem in einer Tanz - Ag auftauchen, behandelt man am besten ganz normal. Man muss sie nicht besonders loben, das machen möglicherweise die anwesenden Mädchen. Motivierend sind aber besondere Ankündigungen, z. B.:

 

Mit den Mädchen wird es in der Grundschule und auch in den Schuljahren danach keine Motivationsprobleme geben, denn sie tanzen nahezu alle sehr gern. Etwas behutsam muss der Tanzlehrer bei Berührungen vorgehen, z. B. bei Circle Left, Promenade usw. Doch schon nach wenigen Minuten stellen die Grundschüler fest, dass die Handhaltung sehr hilfreich ist und auch optisch besser ausschaut. Zwingen muss man niemanden, die Berührungsängste werden von ganz alleine immer weniger.

An den weiterführenden Schulen sind die Teilnehmer dann schon etwas älter (elf Jahre und aufwärts), und die Tanzstunden laufen in einigen Teilen anders ab als in der Grundschule. Manches wird dadurch einfacher:

  • Die Teilnehmer haben bessere Englischkenntnisse

  • Die Teilnehmer haben weniger Orientierungsprobleme

  • Die Teilnehmer haben in den meisten Fällen weniger Berührungsängste

Dafür gibt es aber zwei andere Probleme, die das Unterrichten schwieriger machen:

 

  • Die Mädchen wachsen früher als die Jungs und sind dann oft deutlich größer. Das ist zwar beim Linedance kein Problem, aber beim Rounddance und einigen Squaredancefiguren schon. Swing, Promenade und Box The Gnat sind für die größeren Mädchen schwierig zu tanzen. In solchen Fällen kann man auf den Einsatz der Hände verzichten oder eine andere kindgerechte Armhaltung wählen. Das hätte den Vorteil, dass die Mädchen ihre Figuren aufrecht gehend absolvieren können.

  • Das zweite Problem ist die Pubertät! ( Hinweis: Pubertät erkennt man daran, dass die Eltern schwierig werden!) Diese „temporäre Verhaltensauffälligkeit”, die insbesondere bei Mädchen besonders heftig ausfallen kann, solle man als Lehrender mit Geduld und Humor ertragen.

 

Da eine Arbeitsgemeinschaft ja eine freiwillige Aktivität ist, zeigen sich glücklicherweise alle Beteiligten von ihrer besten Seite. Sie entwickeln Teamgeist, sehen alles recht locker und liefern dann im „Ernstfall”, bei einer Aufführung zum Beispiel, eine richtig gute Leistung ab.

 

Zwei Hinweise noch zum Schluss:

  • In der Grundschule ziehen viele Kinder einer festen Tanzpartner vor, doch im Laufe der Zeit sollten auch sie sich an wechselnde Tanzpartner gewöhnen. Das ist auch der besondere Reiz beim Squaredance und anderen Tanzformen.

  • Tanzen ist ein berührungsintensiver Sport und verlangt von allen Teilnehmern einen respektvollen Umgang. Lehrkräfte sollten den Körperkontakt mit Kindern möglichst vermeiden. (u. U. Vorwurf der sexuellen Belästigung).

 

2.2 Organisation einer Unterrichtseinheit

 

Eine Unterrichtseinheit hat ja lediglich 45 Minuten, und die wollen und sollen gut genutzt werden. Zu Beginn der Stunde sollte die Musikanlage für den Einsatz fertig sein. Empfehlenswert ist auch eine mehr oder weniger feste Struktur. Das kann zu Beginn ein Begrüßungsritual, ein gemeinsames Lied, eine Wiederholung oder ein Sonderwunsch (Hoedown) eines Schülers sein. Am Ende der Stunde ein Abschiedsritual, ein Rückblick (Was war heute besonders interessant?) oder auch ein Musikwunsch (Figurenwunsch) für die nächste Woche. Dazwischen organisiert der Lehrer drei bis vier kurze Tanzeinheiten:

1. Durchgang: eine reine Wiederholung - Warm Up

2. Durchgang: etwas Neues oder eine Variation

3. Durchgang: eine weitere Steigerung, etwas Anspruchsvolles, ein „Fun - Dance”

4. Durchgang: eine entspannende Runde - Cool Down.

 

In den kurzen Pausen zwischen den Durchgängen treffen sich alle zu einer Besprechung. Dabei kann der Lehrer berichten, was er Interessantes beobachtet hat oder erzählt eine Anekdote. Pausierende Schüler können eine Beobachtungsaufgabe bekommen und dann möglichst positiv berichten. Kritik an Schülern sollte es nur in Ausnahmefällen geben, denn ein Lob baut die Schüler auf.

 

Eine schöne Erinnerung an den Squaredancekurs ist auch die Gestaltung einer kleinen Broschüre etwa mit dem Titel „Mein Tanzkurs in der Schule im Schuljahr 2017 / 2018”. Einige Texte und Bilder bereitet der Lehrer vor und kopiert sie, Ergänzungen machen die Schüler selber (Beispiel im Anhang. Anlage 5 „Mein Squaredancekurs”). Die Kopierkosten übernimmt möglicherweise die Schule, man muss bloß vorher einen Lehrer fragen. Besonders edel sieht eine gebundene Broschüre aus, und manche Schulen haben sogar ein Bindegerät.

 

Natürlich ist ein Ag - Leiter vernünftig vorbereitet, vielleicht sogar schriftlich, aber einen festen Verlaufsplan muss er nicht unbedingt haben. Sonst besteht die Gefahr, dass ein Lehrer seinen Plan durchzieht - an den Kindern vorbei unterrichtet. Teilnehmende Schüler sollten an geeigneten Stellen Gelegenheit haben, den Unterricht mitzugestalten (Auswahl der Musik, der Figuren, des Tanzes, der Formation, . . . ).

 

 

2.3 Besondere „Highlights” im Schuljahr

 

Sportwettkämpfe und Turniere sind für Sport treibende Menschen natürlich wichtig, und eine Tanzgruppe braucht etwas Ähnliches. Wer im September eine Ag startet, der sollte zielstrebig auf einen Auftritt zur Weihnachtsfeier hinarbeiten. Dabei reicht ein einfach gehaltener Auftritt völlig aus, denn die Schüler sind in der Regel sehr aufgeregt und möchten doch bei einem Auftritt glänzen, und genau das sollen sie auch. Oft gibt es in der Schule noch weitere Feste mit der Möglichkeit eines Auftrittes. Interessant sind aber auch Auftritte bei Stadtfesten, die werden oft sogar honoriert, oder auch Auftritte bei Benefizveranstaltungen. Hier muss der Ag - Leiter sehr intensiv mit den Eltern und den Lehrern zusammenarbeiten.


Selbstverständlich ist es legitim, die Kinder mit ihren Eltern zum „Open House” einzuladen, die Werbung für diese (nicht schulische) Veranstaltung sollte am besten mit der Schulleitung abgesprochen werden.

Im Kapitel 1.2 Vorbereitungen für eine Arbeitsgemeinschaft Tanz wurde schon gesagt, dass eine Ag auch in mehreren Blöcken angeboten werden kann. In einem solchen Fall ist es ungünstig, die Kinder aus dem Block „Januar - März” für das „Open - House” im Oktober einzuladen, denn dieser Termin ist zu weit weg. Der Besuch eines (fast normalen) Clubabends ist da mit Sicherheit werbewirksamer.

 

Damit die Schüler den Tanzkurs, die Auftritte und die anderen Highlights immer in guter Erinnerung behalten, ist es empfehlenswert, solche Ereignisse in Schrift und Bild festzuhalten. Fotos, Zeitungsartikel, Buttons, eigene Aufzeichnungen und Urkunden (Beispiel für eine Urkunde im Anhang, Anlage 6) sind bestens dafür geeignet, denn sie werden erfahrungsgemäß sehr lange aufbewahrt und immer wieder gern betrachtet.

Eine ganz besondere Aktion, insbesondere für etwas ältere Schüler, ist ein „Tanz - Wochenende” in Form eines „Crash - Kurses”. Die Organisation eines solchen Wochenendes ist allerdings recht schwierig, denn die Vorbereitungen sind umfangreich:

  • Da dies wahrscheinlich keine schulische Veranstaltung sein wird, muss diese Veranstaltung vom Club organisiert werden: Schreiben an die Eltern, Begleitpersonen finden, Versicherungsfragen klären, ggf. GEMA - Anmeldung, . . .

  • Es wäre natürlich sehr günstig, wenn man für dieses Wochenende die Turnhalle zur Verfügung hätte, vielleicht sogar mit Übernachtungsmöglichkeit. In einem solchen Fall ist es übrigens ratsam, die Polizei zu informieren, sonst „stürmen” mehrere Polizisten nachts um 2 Uhr das Schulgelände und wollen die Einbrecher festnehmen. Bei den Verhandlungen mit dem Aufwandsträger kann möglicherweise die Schulleitung oder auch der Elternbeirat mit einem Begleitschreiben das Projekt unterstützen.

  • Ein interessantes Programm sollte natürlich auch dabei sein, zum Beispiel:

 

Samstag,

14 - 18 Uhr:

tanzen, tanzen, tanzen (am besten mit einem Thema)

Samstag,

19 - 22 Uhr:

Gemeinschaftsveranstaltung wie Grillabend, Spieleabend oder Wanderung (ggf. mit den Eltern)

Samstag,

22 - 00 Uhr:

tanzen, tanzen, tanzen (am besten mit einem Thema)

Sonntag,

9 - 10 Uhr:

Frühstück (ggf. mit den Eltern)

Sonntag,

10 - 12 Uhr:

tanzen, tanzen, tanzen (am besten mit einem Thema)

Sonntag,

12 - 13 Uhr:

Mittagessen (ggf. mit den Eltern)

Sonntag,

14 - 16 Uhr:

Besuch einer sozialen Einrichtung (Altersheim, Krankenhaus, . . . ) wenn möglich mit einem Auftritt


 

2.4 Tanzen im Squaredance - Outfit

 

Dass Tänzer sich bei besonderen Darbietungen ganz speziell kleiden, ist für die Kinder mit Sicherheit nichts Neues, das kennen sie schon aus dem Kindergarten. Wenn eine Squaredancegruppe vor einem Auftritt steht, dann taucht natürlich auch die Frage nach der Kleidung auf. Für die Jungs ist das relativ umproblematisch, denn eine lange Hose (Jeans) und ein langärmliges Hemd haben wohl alle. Das Tragen von tellerförmigen Röcken und ggf. noch Unterröcken ist aber schon etwas Besonderes und beim Squaredance auch unverzichtbar (Im Gegensatz zum Linedance und zum Clogging). Das größte Problem dabei ist die Beschaffung, denn geeignete Röcke wird man in den Kleiderschränken der Mädchen nur selten finden. Der Kauf von Petticoats und Röcken ist für die Eltern in der Regel nicht zumutbar und auch die Schule, bzw. der Förderverein sind nur selten in der Lage das zu finanzieren. Hier sollte man versuchen, einige Fachlehrerinnen, Eltern und Clubmitglieder zu einer Nähaktion in die Schule zu bringen. In den Schulen gibt es in der Regel gute Nähmaschinen, die Lehrkräfte können sicherlich günstigen Stoff besorgen, und die Clubmitglieder haben vielleicht die Schnittmuster. Die dafür anfallenden, geringen Kosten übernimmt sicherlich der Förderverein. Beim Zuschneiden der Röcke sollte aber auf eine gewisse Länge (etwa bis zur Wade) geachtet werden.

 

Beim Tanzen kommt es nun darauf an, die Röcke ästhetisch wirkungsvoll einzusetzen. Das bekommen auch die Grundschulmädchen sehr schnell in den Griff. Schon beim Einmarsch zu Beginn einer Vorführung sieht es elegant aus, und bei folgenden Figuren sollte der gekonnte Einsatz der Röcke geübt werden:

 

Promenade

Ladies chain

Do sa do

Star promenade

Weave the ring

Bow to your partner


 

2.5 Methodische Hilfsmittel

 

Unter den Grundschülern gibt es noch eine Menge Kinder, die erkennbare Orientierungsprobleme haben. Im Laufe eines Tanzkurses merkt man zwar bei den meisten Teilnehmern eine Verbesserung, aber alle kann man nun doch nicht „heilen”. Um die Lernprozesse für die Tänzer zu optimieren und auch das Erklären für den Lehrer zu erleichtern, experimentierte ich mit verschiedenen visuellen Hilfsmitteln. Dabei erwiesen sich folgende Hilfsmittel als besonders hilfreich.

  • einfache, geflochtene Springseile ohne Griffe, am besten in verschiedenen Farben

  • Bierdeckel

In den Zeichnungen sieht das dann entweder bunt oder wie folgt aus:



Für die Tänzer benutze ich, wie auch andere Kollegen, folgende Symbole:



Manchmal ist es auch praktischer, wenn man die Tänzer beziffert, so wie hier links. Bei diesen Tänzern wurden außerdem die Arme weggelassen und natürlich gibt es diese Symbole in verschiedenen Größen.
     

Aus Platzgründen sollen hier nur zwei für eine Schul - Ag geeignete Beispiele aufgezeigt werden, die erfahrungsgemäß auch sehr gern getanzt werden:

 

Sides Face Grand Square  und    Ladies Chain
       

Sides Face Grand Square

Bei der Figur „Grand Square“ ist der Einsatz von Seilen sehr von Vorteil, denn die Tänzer erkennen recht schnell ihr quadratisches Viertel. Außerdem können von Beginn an alle acht Tänzer mitmachen, die Rolle des (mitunter abgelenkten) Zuschauers entfällt. Damit sich die Tänzer auch immer in die richtige Richtung drehen, benutzt man am besten zwei verschiedene Farben.

Nach dem Startcall „Sides Face“ schauen alle Tänzer auf das rote Seil. (Bild 1)

Es gelten nun folgende Grundregeln:

  • Keiner übertritt das Seil, jeder bleibt in seinem Viertel.

  • Wer vorwärts gehen kann (anfangs die „heads“), der geht vorwärts.

  • Wer nicht vorwärts gehen kann (anfangs die „sides“), der geht rückwärts.

  • Bei jedem 4. Schritt macht jeder Tänzer eine Vierteldrehung und schaut dann auf das andersfarbige Seil.

  • Beim 16. Schritt erfolgt keine Drehung.

  • Nach insgesamt 32 Schritten steht jeder Tänzer wieder auf seiner Startposition.

Bild 2 zeigt den ersten Blickrichtungswechsel nach dem 4. Schritt. Nun schaut jeder Tänzer auf das gelbe Seil. Die Grundregeln bleiben natürlich bestehen.

Eigentlich müssten die Außenseiten des Quadrates auch noch mit Seilen markiert werden, doch diese Seile bringen methodisch keine Verbesserung.

Damit die Tänzer von Anfang an synchron laufen ist es wichtig, dass der Caller mitzählt und den Richtungswechsel ansagt, etwa so:

  • one, two, three, yellow

  • one, two, three, red,

  • usw.

Im Grundschulbereich geht es am Anfang natürlich etwas langsamer zu, ggf. kann man seine Anweisungen auch noch auf deutsch geben, aber nicht zu lange.

 



Wer sich das als kleine Animation anschauen möchte, der klickt hier unten auf den Link. Die Animation startet automatisch und läuft absichtlich etwas langsam.

SIDES FACE GRAND SQUARE
Ladies Chain

Bei vielen Squaredancefiguren ist es sehr hilfreich, den Mittelpunkt einer Formation mit einem Bierdeckel zu markieren, besonders dann, wenn der Mittelpunkt zugleich auch noch ein Drehpunkt ist, zum Beispiel bei verschiedenen Stars, bei Star Promenade, bei Ladies Chain und noch einigen anderen Figuren. Die untere Grafik zeigt zuerst die Ausgangsformation (static square) für die Figur Four Ladies Chain mit einem Bierdeckel in der Mitte (Bild 1). Nach drei bis vier Schritten bilden die Ladies ihren Stern und bewegen sich um den Bierdeckel (Bild 2).

Bei „normalen” Lines of four facing in (Bild 3) werden zwei Bierdeckel benötigt, da jeweils zwei gegenüber stehende Paare ein Two Ladies Chain tanzen (Bild 4).

Gerade der Einsatz von visuellen Hilfsmitteln ist für das Erlernen von Squaredance - Figuren sehr von Vorteil, auch bei erwachsenen Tänzern. Mehr Beispiele dazu (auch aus dem Plus - Level) gibt es in der Broschüre „Visuelle Hilfsmittel im Squaredancekurs”. Diese Broschüre findet man als PDF auf der Homepage der WEAVING TWINS Konradsreuth unter: www.weaving-twins.de unter dem Link „Caller”.





       

2.6 Besonders geeignete Squaredance - Figuren

Bei der Auswahl der Squaredance - Figuren kann sich der Caller eigentlich frei entfalten. Da man im Laufe eines Schuljahres - also maximal 40 Einzelstunden - auch mit sehr tanzfreudigen Mittelstufenschülern wohl kaum bis zur Graduation kommt (dies ist auch gar nicht erstrebenswert), kann man sich Zeit lassen und die Figuren unterrichten, die gut ausschauen und den Schülern auch Spaß machen. Sind die Tänzer allerdings unterfordert, empfiehlt es sich entweder eine neue Figur zu unterrichten, die Sequenz zu variieren, das Tempo zu steigern oder auch in nicht standardisierte Aufstellungsformen anzubieten. Außerdem gibt es auch noch andere, sehr reizvolle Squaredance - Varianten, die im Kapitel 2.7 vorgestellt werden.

Folgende Figuren sind schon von Grundschülern (3. bis 6. Klasse, also 8 bis 12 Jahre alt) recht schnell erlernbar:

Circle left / Circle right

U Turn Back

Left / Right Hand Star

Foward and back

Star Promenade

Pass Thru

Dosado

Right and Left Grande

Pass Thru

Promenade

Coutesy Turn

Grand Square

Star Promenade

Two Ladies Chain

Weave the Ring

Allemande left

Four Ladies Chain (3 / 4)

 

Diese Figuren reichen in den meisten Fällen auch für ältere Schüler, bei einer Unterforderung können auch noch folgende Figuren angeboten werden:

 

Right and Left Thru

Alamo Style

Swing Thru (Alamo Style)

Dopaso

Lead Right

Rollaway

Touch a Quarter

Run

 


2.7 Reizvolle Squaredance - Varianten

  • Running Squares
    Diese Variante ist besonders für Grundschüler mit Bewegungsdefizit empfehlenswert, vorausgesetzt man hat Platz, zum Beispiel in der Turnhalle. Dort kann sich ein Square in einer Volleyball - Spielhälfte aufstellen. Das ist ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 9 m. Nun werden alle Figuren gerannt - so lange die Puste hält.

  • Jumping Squares

    Reicht der Platz für Running Squares nicht aus, dann kann man die Tänzer auch alle Figuren hüpfen lassen - so lange die Puste hält.

  • Blind Dancer
    Ein Tänzer darf für eine gewisse Zeit die Augen schließen. Er verlässt sich nun darauf, dass seine sieben Mittänzer die Verantwortung für ihn übernehmen und ihn mit gebotener Vorsicht führen.

  • Twin Dancer
    Zwei Tänzer (girls oder boys) stellen sich nebeneinander und hängen sich zusammen. Sie sind jetzt ein Tänzer.

  • Tandem Dancer
    Zwei Tänzer (girls oder boys) stellen sich hintereinander und bilden jetzt ein Tandem. Natürlich darf der Hintermann (der Anhänger) nicht den Vordermann (die Zugmaschine) nicht überholen. Die letzten beiden FUN DANCES sind besonders dann günstig, wenn die Anzahl der Tänzer größer ist als „8” oder „16”. Es können dann alle mitmachen und keiner muss zuschauen.

  • Hands in the Back / Hands in the Air
    Alle Tänzer haben die Hände auf dem Rücken / in der Luft und tanzen nun alle Figuren ohne die Hände zu benutzen. das ist bei Dopaso ganz schön schwierig.

 


Schlusswort


Eigentlich sollte dieser Leitfaden nicht so umfangreich werden, aber während des Schreibens fielen mir immer wieder wichtige und hoffentlich auch nützliche Sachen ein.


Für mich waren die vielen Squaredance -Ags immer ein riesiges Vergnügen, für die Schüler waren sie mit Sicherheit ein Gewinn. Nun wünsche ich allen Tanzlehrern viel Spaß und viel Erfolg bei der Arbeit mit Schülern und hoffe, dass diese Seiten für euch auch eine Hilfe waren.


Mit quadratischen Grüßen

 

Joachim Kroll

 

 

 

3. Teil (Anhang mit Anlagen)

Anlage 1:   Arbeitsblatt (Spielblatt) zur Symmetrie
Hinweis: Vielleicht findet man einen Mathematiklehrer, der sich dafür interessiert. Auch bei den Gesprächen mit der Schulleitung könnte es als Werbung eingesetzt werden.
Anlage 2:   Schreiben des Präsidenten an die Schulleitung
Hinweis: In den meisten Fällen wird wohl ein Gespräch ausreichen, aber Schulleiter sind meistens jedenfalls auch Beamte und zwar korrekte!
Anlage 3:   Verschwiegenheitspflicht
Hinweis: Das sollte man auf jeden Fall beherzigen.
Anlage 4:   Dokumentation
Hinweis: Der Aufwand sollte so gering wie möglich sein.
Anlage 5:   Mein Squaredancekurs
Hinweis: Das Erstellen solcher Erinnerungen ist natürlich sehr zeitaufwendig. Wer das in einer solchen Form nicht machen möchte, der fragt einfach einmal die teilnehmenden Schüler. Möglicherweise fällt ihnen etwas ein.
Anlage 6:   Urkunde
Hinweis: So eine Urkunde kommt bei den Kindern auf jeden Fall sehr gut an. Vorlagen für solche Urkunden können im Internet leicht gefunden werden.
Anlage 7:   Checkliste „Auf dem Weg zur Tanz - Ag”
Hinweis: Kurzübersicht als Planungshilfe